Myriella Teil 1

Myriella war immer noch etwas neben sich. Aber das konnte man ihr wohl kaum verübeln. Jemand war in den kleinen Kräuterladen eingebrochen, in welchem sie seit nun fast 4 Jahren arbeitet.

Zugegeben, der Laden gehört offiziell der Dorfvorsteherin Runa, aber im Grunde kümmert sich Myriella sowieso bereits um alles alleine. Für Runa ist das total in Ordnung, sie hat genug andere Aufgaben. Außerdem hat Myriella ihre einstige Mentorin eh schon übertroffen, das sagt Runa ja sogar selbst. So profitieren beide Frauen von ihrem Arrangement. Myriella war so glücklich, als Runa sie bei sich aufnahm, nachdem ihre Eltern bei einem Brand ums Leben gekommen waren. Myriella war damals gerade erst 8 Jahre alt und hatte die Katastrophe auf wundersame Weise überlebt. Allerdings hat sie die Erinnerung an die darauf folgenden Jahre verloren. Und so kann sie sich eigentlich gar nicht mehr erinnern, wie ihr Leben vor Runa war. Auf jeden Fall ist sie der Dorfvorsteherin sehr dankbar und zahlt gerne ihre "Schuld" zurück, indem sie im Kräuterladen hilft. In der Arbeit hat sie dann auch ihre Leidenschaft entdeckt: Kräuter, Tränke, Salben, Pulver...das ist genau ihre Welt! Hier hat sie wirklich Talent und hat schon so manche neue Rezeptur entwickelt, einfach weil es für sie Sinn macht, bestimmte Zutaten zusammenzumischen. Mit den Jahren hat sie sogar die Ausstattung des Kräuterladens verbessert. Von fahrenden Händlern hat sie Geräte, Schriftrollen und Bücher und exotische Zutaten gekauft. Gebannt hat sie dabei den Geschichten von großen Städten, magischen Wesen und fernen Ländern gelauscht. Irgendwann will sie Tindale verlassen und auf Reisen gehen um die Welt kennenzulernen. Bis zu diesem Tag arbeitet sie aber weiter in ihrem kleine Reich, das sie sich selbst aufgebaut hat.

 

Doch diese kleine Welt war nun bedroht worden. Jemand hatte ihre Welt angegriffen. Myriella konnte sich immer noch nicht erklären, warum es dazu kam. Die meisten Bewohner von Tindale verfügten gar nicht über das Wissen um die besonderen Kräuter und Tränke. Myriellas Wissen nach kannte sich außer ihr niemand so gut mit Kräutern aus. Vielleicht noch Runa, aber warum sollte sie in ihren eigenen Laden einbrechen? Dennoch wurden sehr gezielt Nachtschattenlilien, Dunkelkreide, Bittersalz und sogar ein Hippogreifen-Ei gestohlen. Neben der Tatsache, dass überhaupt jemand mit exaktem Wissen in den Laden eingebrochen war, verunsicherte Myriella auch noch, das der Einbrecher in der Lage war eine undurchsichtige Dunkelheit zu beschwören. Normalerweise konnte die junge Frau auch bei sternenfreier Nacht ohne Einschränkungen sehen. Aber die Finsternis im Laden in der vergangenen Nacht konnte sie nicht durchdringen. Myriella war nachts aus dem Schlaf gerissen worden, als sie Lärm aus dem Verkaufsraum gehört hatte. Sofort war sie hochgeschreckt und in den Laden geteilt. Scheinbar hat sie dabei so einen Lärm verursacht, dass der Dieb überrascht wurde und die Flucht ergriffen hat. Hoffentlich hatte er bis dahin zumindest sein Diebeswerk vollendet. Bei den Götter, vielleicht kommt er noch einmal zurück! Auch wenn sie es nicht gerne zugibt, Myriella hatte Angst. Irgendein zauberkundiger Unbekannter bricht in ihren Laden ein, Wilde Bestien laufen frei in Tindale herum, seltsame Fremde kamen in die Siedlung, Kinder aus dem Dorf verschwinden, Bauern lehne sich gegen einen Lord Ritter auf. Irgendetwas geht vor im dem kleine Dorf. Auf jeden Fall fühlt sie sich nicht mehr sicher. Von dem Ritter und seinen Waffenknechten konnte sie wohl keine Hilfe erwarten und die vielen jungen Holzarbeiter waren ihr zu aufdringlich. Vielleicht sollte sie sich an die kleine Gruppe von Helden wenden, welche den Eulenbär bekämpft haben. Mit dem Magier und dem Gnom hatte sie immerhin schon ein paar Worte gewechselt eine gute Idee. Myriella würde sie gleich heute ansprechen und sie bitten, sie bei ihrem Ausflug in den Wald zu begleiten. Sie muss noch ein paar seltene Pilze bei der alten Ruine am Fluss sammeln. Wenn sie die Helden nett fragen würde, würden diese bestimmt zustimmen. Bisher hat Myriella meistens bekommen, was sie wollte, wenn sie nur nett fragte.

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